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| Stephan Lugbauer - Before the facts #3 (11.12.2008 - 11.02.2009) |
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STEPHAN LUGBAUER BEFORE THE FACTS #3 11.12.2008 - 11.01.2009
Der Palast der schönen Künste "We built a fantastic palace by night […] a very fragile palace of matchsticks; at the slightest clumsy movement a whole part of the tiny building would collapse; we always started again." Giacometti Betritt man die Galerie, betritt man gleichzeitig einen durch ein Holzgerüst angedeuteten Raum. Die Holzkonstruktion bezieht sich auf Alberto Giacomettis Modell "Der Palast um vier Uhr früh", das eine für Giacometti wichtige Beziehung zu einer Frau beschreibt. Stephan Lugbauer bezeichnet seinen Raum ebenfalls als Palast, der bei ihm jedoch nicht als Rekonstruktion emotionaler Zustände, sondern als bewusst geschaffene Situation zu verstehen ist, die Prozesse der künstlerischen Arbeit und das Arbeiten am Werk selbst reflektiert. Marmor, Holz, Papier und Bronze - der Palast der schönen Künste - so nennt sich die Installation Stephan Lugbauers und spielt damit nicht nur auf Giacometti an, sondern auch auf Carlos Fuentes, der in seinem Roman "Das Tagebuch der Laura Diaz" vom Palacio de Bellas Artes in Mexico City erzählt, dem Palast der schönen Künste. Die Collage aus Idee, die hier zusammenstellt wird, verbindet Persönliches mit Geschichte und Geschichten mit Ideen zu einer Reflexion über Kunst und Wirklichkeit. Von seinen Installationen sagt Stephan Lugbauer, sie beschreiben seine Arbeitsweise, reflektieren die Produktion seiner Arbeiten und thematisieren das Ausstellen und den Wert von Kunst. Er möchte zeigen wie vielschichtig die Auseinandersetzung mit Kunst ist, welche Prozesse und Mechanismen Beachtung verdienen und wie er sich durch seine Arbeitsweise auf Dinge bezieht. In den Palast der schönen Künste stellt Stephan Lugbauer zwei großformatige Skulpturen: im hinteren Raum der Galerie steht ein Bunker, in dem man durch ein abgedunkeltes Fenster das Abbild eines Originals erhaschen kann. Den letzten Rest des flüchtigen realen Bildes, das am Anfang der Entwicklung steht: alles beginnt mit dem persönlichen Interesse an einem Objekt, einer Geste oder Idee. Das zweite Objekt im vorderen Raum der Galerie verbindet nicht nur die hölzerne Überkonstruktion mit der Bunkerinstallation, sondern eben auch diese Entwicklung, die Ausbildung einer Struktur, einer Sprache. Es scheint als ob sich ein Weg abzeichne von einem Anfang, dem Originalbild, zu einem Objekt das sich aller Beziehungen zu einem Davor verweigert. Sobald diese Objekte sich einfinden (im Atelier, in der Galerie...etc) arbeitet die Strategie der Transformation für die Strategie des künstlerischen Materials. Das Kunstwerk kann und will nicht ohne Kontext, scheint es! Das Verhältnis in die andere Richtung ist genau so interessant. Das Kunstwerk ist der Kontext. Bei dieser Transformation werden sie ihrer ursprünglichen Bedeutung zum Großteil entkleidet. Der Verlust des Signifikanten Seite bildet die Basis für den nächsten Schritt, in dem Stephan Lugbauer seine Objekte mit einer neuen Wirklichkeit ausstattet. Denkt man die Wegthematik weiter, lenkt eine Reflexion des Prismas wie ein Wegweiser die Aufmerksamkeit des Betrachters in den dritten Raum, der außerhalb des Palastes liegt. Dort zeigt eine Fotografie einen Augenblick während der Versteigerung eines Globus im Wiener Dorotheum. Sie verschiebt den Fokus auf die Mechanismen des Marktes, der für die Kunst wie für alle anderen Konsumgüter gleichermaßen gilt und funktioniert. Beide - Globus und Auktion - stehen als Symbole für Macht und Kontrolle für den "Verkauf der Welt". Kunstwerke sind Güter - deren Mehrwert sich nicht so einfach messen lässt. Die Mechanismen nach denen ein Markt sich regelt, sind Machtkonstellationen unterworfen, zu denen der Künstler im seltensten Fall Zugang hat. Da diese Mechanismen bei der Produktion von Kunst immer auch eine Rolle spielen, kann der Palast nicht nur als Ort des Nachdenkens über das Produzieren von Kunst verstanden werden, sondern selbst als Reflexion und Reaktion auf die Gesellschaft und Kunstszene. Die Installation erarbeitet und analysiert die Zeichen, Systeme und Mechanismen der Zeit, in der sie entsteht. Sie durchschreitet den Prozess des Schaffens von Kunst ähnlich einem alchemistischem Verfahren und beschreibt den Künstler als jemanden der gezwungen ist, sich zwischen Ideal und profitorientiertem Denken immer wieder neu zu positionieren. Dieser Fragilität ist sich Stephan Lugbauer bewusst, er zitiert dazu passend Giacometti, der über das (reale und emotionale) Modell des Palastes sagt: "We built a fantastic palace by night […] a very fragile palace of matchsticks; at the slightest clumsy movement a whole part of the tiny building would collapse; we always started again." Text:Barbara Kapusta
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